20. August 2021

75-Jahr Jubiläum vom 14. und 15. August 2021

Dass Petrus ein Naturfreund gewesen sein muss, bewies sich letztes Wochenende. So liessen es sich über 70 Wanderfreunde nicht nehmen, von Willerzell, Lachen oder ab Bräggerhof an den geführten Sternwanderungen am Samstag ins Waldeggli zu pilgern um dort einige gemütliche Stunden zu verbringen beim spendierten Apero, einem feinem Mittagessen mit Dessert und einem knackigen Rückblick auf 75 Jahre Vereinsgeschichte von unserem Präsidenten. Die Nimmermüden konnten nach dem Dessert bei der lüpfigen Musik des Trio Berghöcklers ihr Tanzbein schwingen. Die frohen Stunden gingen wie im Fluge vorbei und schon bald hiess es wieder Abschied nehmen und die meisten begaben sich gemeinsam wieder retour ins Tal zu Fuss oder mit dem Kleinbus. Ab 16.00 Uhr war Schichtwechsel angesagt und es ging in die zweite Runde mit Apero, feinen Grilladen, Grussworte des Lachner Gemeindepräsidenten notabene auf Altendörfler Boden  und als der grandiose Sonnenuntergang sich langsam entwickelte, war es Zeit für die Partyband Flottn3er. Nach einer langen Zwangspause der drei Jungs aus Bayern, ging die Post bis 1 Stunde vor Mitternacht ab. Die Aussicht auf den Zürichsee und das umliegende Lichtermeer, regte trotz Coronaabstand zum Träumen ein.        

Am Sonntag fand der Berggottesdienst und die Hüttenchilbi statt. Der  ökumenische Gottesdienst mit Fahnenweihe mit den besinnlichen Worten  und Psalmen von Seelsorger Mauro Giaquinto und die eindrücklichen Zahlen, die Pfarrer Ralf Zimmer in seiner Predigt zu Geld, Hatz und Natur darlegte, regte die zahlreichen Besucher zum Nachdenken an. Volkstümlich würdig begleitet, wie es auf 1028 m über Meer sein soll, wurde der Gottesdienst durch das Alphorntrio Stöckli aus Wangen und dem Jodlerclub Sängertreu von Siebnen. Nach einer solch innigen Stunde war es Zeit, für die Gemütlichkeit. Nach einer währschaften Suppe mit Spatz aus der Gamelle oder einfachen Grilladen, spielte die Ländlerkappelle Aubrig-Gruess zum Tanze auf. Aufgelockert durch eine kurzweilige Zeitreise der Naturfreunde Lachen von 1946 – 2021. Die Delegationen des Vorstandes der Naturfreunde Schweiz und des Skiclub Lachen gratulierten zum Jubiläum mit grosszügigen Geschenken.  

Die Zeit verging wie im Fluge und schon bald hiess es wieder Fahne einziehen und das reichbefrachtete Programm ging Sonntagabend um 17 Uhr zu Ende.

Der Vorstand und die Hüttenverwaltung der Naturfreunde Lachen danken den Wöschwiibern für die Mithilfe beim Service, und Bruno und Yolanda für das Grillieren, allen grosszügigen Sponsoren und Gönnern, den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern und hoffen Sie auch einmal Samstag oder Sonntag  im Berggasthaus Waldeggli oder bei unseren zahlreichen Wanderungen anzutreffen.

Rückblick auf 75 Jahre Naturfreunde Schweiz, Sektion Lachen

Hoi zäme, ich erlaube mir heute alle zu dutzen. Ab 1000 Meter über Meer darf man das und unter den Naturfreunden sowieso.  

Ich freue mich sehr, dass so viele Naturfreund/innen, Sponsoren und Gönner den Weg an diesen schönen Platz gefunden haben. Ich will alle recht herzlich vor unserem Waldeggli begrüssen. Das Prachtswetter haben wir uns erhofft und auch erhalten. 1955 hatte man noch den Wettermacher bestellt, der das schöne Wetter erkauft hat.  

Als Präsident der Sektion Lachen, habe ich die Ehre einen Rückblick auf 75 Jahre Naturfreunde Lachen zu präsentieren. Ich habe nach bestem Gewissen recherchiert und bitte auch mal einen Jahrgangsfehler zu übersehen. Im Weiteren habe ich noch Mühe mit der Gendersprache und auch der eine oder andere Sprachfehler sei mir verziehen.

Ich habe den Rückblick in drei Epochen à 25 Jahre unterteilt, sowie einen kurzen Ausblick in die Zukunft und diverse Danksagungen.

1. Epoche 1946-1961

Liebe Genossinnen und Genossen, Berg frei, Völker frei. So tönte es an der Gründungsversammlung vom 12. Oktober 1946 als sich 21 Mitglieder zur Neugründung der Ortsgruppe Lachen im Hotel Bahnhof trafen. Im Vorfeld wurde von der Ortsgruppe Pfäffikon das neue Bergseil und der auf dem Stoos errungene Kompass energisch gefordert. Man/Frau muss sich vorstellen, dass hier Tacheles geschrieben und geredet wurde. Zwei, drei Beispiele: Ein Fass ohne Boden, Frechheit vom Landesverband so eine Hütte anzubieten, es war Matteho der letzte. Als erster Präsident wurde Walti Hegner bestimmt. Die verschiedenen Aktivitäten bestanden aus Versammlungen, Touren und Skirennen. Dabei wurde ein Punktesystem angewandt. 1947 ist Genosse Christian Hauser zu seinem grossen Erfolg zur Erstbesteigung der Bockmattlinordwand beglückwünscht worden. Skitouren erfolgten auf den Clariden, Kärpf oder Hausstock. Aber auch das Rinderweidhorn wurde immer wieder per Fell erklommen. Im Sommer ging man auf den Glärnisch, den Tödi oder Mythen. Man war aber auch mit der Natur sehr verbunden. So ergab das die eine oder andere Blumentour. Bald breitete sich der Wunsch nach einer Hütte aus. Im Wägital mietete sich der Verein in der Lufthütte ein. Dort bewirtete man die Tourenskifahrer und hatte zugleich eine gute Basisstation für die eigenen Touren. Der Wunsch nach Ferien und einer eigenen Hütte wurde immer lauter.  Das Waldeggli wurde am 4. September 1954 zum Kaufpreis von CHF 10’200.00 übernommen. Die Mitglieder zeichneten Anteilscheine im Wert von CHF 3’200.00. Darlehen der Konsumgesellschaft CHF 1’600.00, natürlich mit der Auflage, dass die Lebensmittel dort eingekauft wurden, sowie ein Darlehen der genossenschaftlichen Zentralbank in Zürich mit CHF 6’000.00. 1955 fand die 1. Hüttenchilbi statt. 1957 wuchs der Touristenverein Naturfreunde Lachen auf stolze 62 Personen.  Nach den ersten Hurraschreien sah man bald, dass das Waldeggli neben einigen Mängeln auch vergrössert werden sollte und so ging 1961 ein grösserer Umbau vonstatten. Dieser wurde in Frondienst ausgeführt mit ca. 3000 Arbeitsstunden. Zum Dank gab es einen Ausflug ins Wallis mit dem Roten Pfeil, einer legendären Zugskomposition der SBB. Abfahrt war um 5.07 Uhr, Retour war man 22.46 Uhr. Wer erinnert sich nicht noch an Willy Marbach, Alois Beeler, Fritz Spieser, Hans Stählin, Sepp Köpfli, Walter Hegner, Nino Baronchelli, Otto Hintermann und, und, und…           Auch ein gewisser Josef Schnellmann schrieb schon ab 1958  Protokolle.

2. Epoche 1961-1990

Der Touristenverein Naturfreunde Schweiz, Sektion Lachen ist eigentlich aus dem gewöhnlichen Arbeitervolk entstanden. Viele Mitglieder haben als einfache Arbeiter bei den Möbel-, Schuh- und Teppichfabriken, in Lachen gearbeitet.  In dieser Zeit hat man im Dorf gelebt und gearbeitet. Am Wochenende wollte man sich von den langen Arbeitstagen erholen und frische Kräfte tanken durch sportliche Betätigungen in den Bergen. Dazumal hatte man noch keine so geräumigen Autos mit oder ohne Veloträger oder topmoderne Camper. Fast selbstfahrende E-Bikes gab es auch noch nicht, also ist man halt mit dem klapprigen Dreigangvelo ins Wägital gefahren um den Muttristock, Zindelspitz und andere Berge zu bezwingen. Flugreisen waren in dieser Zeit im Verhältnis sehr teuer. So durfte das Waldeggli von den Mitgliedern auch als Ferienhaus benutzt werden. Im Jahr 1973 wurde die Hütte im Waldeggli weiter modernisiert mit Strom. 1978 erfolgte der Ersatz des Kachelofens. 1984 wurde der Kellerboden mit Platten belegt und auch die Aussenfläche wurde mit Granitplatten verschönert. 1987 gab es eine neue Küche. Ein wichtiger Bestandteil im Jahresprogramm waren nebst den eindrucksvollen Skitouren und schönen Bergtouren, das Clubskirennen vom Waldeggli in Richtung Fuchsgaden. Mitmachen kommt vor dem Rang war das Motto. Am Abend gab es das Absenden, wo alle nochmals von ihrer Fahrt erzählen konnten. Für jede und jeden gab es einen Preis zum Abholen. Tourenskifahren mit den Fellen war nicht jedermanns Sache. So gab es ab 1981 ein Skiwochenende, dass immer an verschieden Orten stattfand.

Die Naturfreunde Schweiz besassen in dieser Zeit ein einfaches Hotel oberhalb Zermatt.  Die Sektion Lachen machte ihre ersten Versuche mit Wanderwochem in diesem Hotel. Aber auch andere Naturfreundehäuser wurden immer wieder besucht. Die Herbsttreffen waren ein wichtiger Programmpunkt im Jahresprogramm. Aber es entstanden auch Freundschaften zum Beispiel mit den Schramberger Naturfreunden, der deutschen Partnerstadt von Lachen. Gegenseitige Besuche im Schrambergerhaus oder im Waldeggli an der Hüttenchilbi zeugten von tiefer Freundschaft. Fahrten mit der Sauschwänzlebahn waren unvergessliche Erlebnisse bei diesen schönen Treffen.

Grad in dieser Zeit waren die Strukturen vorgegeben, da war zuerst der Kantonalverband mit den Sektionen Lachen, Siebnen, Goldau und Küssnacht. Dieser war dann wieder eingebunden im Regionalverband Innerschwyz mit den Sektionen aus Luzern und Zug. Diese organisierten verschiedene Kurse wie der Tiefschneekurs, Eiskurs, Karten/ Kompasskurs und diverse Treffen und gemeinsame Wanderungen.

3. Epoche 1991-2021

Ist man einmal bei den Naturfreunden Lachen, dann bleibt man in der Regel ein Leben lang dabei. Die älteren Mitglieder fanden bald heraus, dass a,  beim Wandern am Wochenende viele Leute unterwegs sind und b, dass sie nicht mehr den Jungen nacheifern mussten. Findige Köpfe wie Oskar Rogenmoser und auch später Fredi Dobler haben bemerkt, dass das Interesse an den Sonntagswanderungen nachliess und dass für die älteren Semester Wanderungen angeboten werden sollten. Deshalb wurden die Seniorenwanderungen, bzw. heute die Dienstagswanderungen ins Leben gerunfen. Warum ausgerechnet der Dienstag. Laut Studie von Oskar Rogenmoser war der Dienstag im Vergleich der wettermässig schönste Tag der Woche. Im weiteren haben Josef Schellmann  und Köbi Erni die Etappenwanderungen ins Leben gerufen und lange Jahre durchgeführt. Diese Etappenwanderungen stossen immer noch auf grosse Beliebtheit. Von der Alpenpass- bis zur Sbrinzroute wurde schon fast die ganze Schweiz durchwandert.  Anstelle der Skitouren und Skiweekends erfreute man sich immer mehr am Schneeschuhlaufen. Auch die Wanderwoche wurde immer beliebter. Sind dort doch meistens mehr als 45 Personen dabei.  Ebenfalls ein wichtiger Bestandteil bei den Wanderfreunden ist jeweils der Chlaushöck im Dezember als Jahresabschluss. 

Im Waldeggli wurde 1992 der Hang stabilisiert und der Schopf gebaut. In den folgenden Jahren wurde die Südseite der Fassade mit Eternit verkleidet. Es gab grössere Fenster in den Schlafräumen und einen Wasseranschluss. Im 2003 musste der Hang abermals gesichert werden. Im Jahr 2020 erfolgte ein Innenausbau mit neuer Küche, Treppenaufgang und erneuerten Elektroanschlüssen. Gleichzeitig erfolgte die Erweiterung des unteren Sitzplatzes mit einer neuen Stützmauer. Die neuste Errungenschaft ist das Insektenhotel beim Brunnen Richtung Wald. Aktuell beträgt der Bestand der Naturfreunde Lachen ca. 290 Mitglieder.

Ausblick in die Zukunft: Mit dem riesigen Angebot an Wanderungen und Schneeschuhtouren leisten die Naturfreunde Lachen einen grossen Beitrag an die Gesundheit der Bevölkerung. Sei es, dass wir hier oben am Berg eine tolle Bergwirtschaft mit unvergleichlicher Aussicht betreiben, mit kurzen Anfahrtswegen. Sei es, dass wir für unsere Wanderungen  fast ausschliesslich den öffentlichen Verkehr benutzen. Sei es, dass wir auch vielen leicht älteren Menschen eine Struktur anbieten für einen ganz tollen Tag. Hoffen wir, dass wir noch lange solche einmaligen Natur- und Gastoerlebnisse geniessen können    

Damit ein Verein während 75 Jahren so erfolgreich funktioniert, braucht es genau solche Leute wie ihr heute da oben seit. Danken möchte ich allen Hüttendienstleistenden für ihre wertvolle Mitarbeit im Frondienst. Ist immer toll, was ihr da Weekend für Weekend leistet. Meinen versierten Wanderleiterinnen und Wanderleitern möchte ich ebenfalls danken, dafür, dass sie immer wieder so ein tolles Wanderprogramm auf die Beine stellen. Natürlich danke ich auch allen Mitglieder/innen, die das riesige Angebot nutzen.

Am Schluss möchte ich dem Vorstand, unserer Postfrau Rita Käslin, unserem Adressverantwortlichen Walter Zimmermann und der Hüttenverwaltung nochmals danken für die grosse Arbeit. Bitte um einen sehr kräftigen Applaus.

Das ein solches Fest überhaupt möglich gemacht werden kann, ist nur dank Sponsoren und Gönnern möglich. Herzlichen Dank an den Verkehrsverein Lachen, der Gemeinde Lachen, der Gemeinde Altendorf, dem Bezirk March, der Genossame Lachen, der Schwyzer Kantonalbank, der Mobiliar Versicherung, Lachen, und der Hans Ziegler AG, Lachen, für die grosszügige Unterstützung sowie der Emmi Schweiz AG für den gesponsorten Dessert am Mittag.

Geschrieben am 14. August 2021

Der Präsident der Sektion Lachen

Richard Hollenstein

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